Die SS President Warfield

Die President Warfield wurde in den USA von der „Pusey A. Jones Corporation“ gebaut. Sie wurde am 6. Februar 1928 in Dienst gestellt. Der Aufbau und die Decks waren aus Holz. Das Schiff wurde nach Solomon Davies Warfield benannt, dem Direktor der Old Bay Line Shipping Company aus Baltimore, für dies sie gebaut wurde. Die President Warfield war das Flaggschiff der Firma, ein Vergnügungsschiff, das auf dem Potomac River und in der Chesapeake Bay zwischen Baltimore, Norfolk und Washington D.C. verkehrte. Zu ihren besten Zeiten waren 450 bis maximal 500 zahlende Passagiere an Bord.

Technische Daten

Typ: Passagierschiff mit 2 Decks

Bruttoraumzahl: 1.840 Tonnen, Verdrängung: 3.200 Tonnen.

Länge: 97,5 m
Tiefgang: 2,4 m (britische Zerstörer benötigten mindestens 6 m).
Antrieb: Diesel.
Geschwindigkeit: 14 Knoten. Das Schiff konnte für ein paar Stunden bis zu 20 Knoten erreichen.
Bauweise: flacher Schiffsrumpf aus Stahl, Unterdeck aus Stahl, Aufbau mit zwei Decks aus Holz.

Codename der Clandestine Immigration Foundation: “Die President“.

Während des 2. Weltkrieges, von 1942 bis 1944, wurde das Schiff von der britischen Marine als Truppentransporter im Ärmelkanal und an der normannischen Küste requiriert. Daneben diente sie auch als Schule für britische Marineoffiziere, als Hauptquartier an der Frontlinie der normannischen Küste. Als Truppentransporter zwischen England und Frankreich transportierte sie etwa 800 Soldaten.

Im Juli 1945 wurde sie an die USA zurückgegeben und im November 1945 auf einem Schiffsfriedhof verankert.

Sehen Sie im Video, wie Monica Levin über ihren Vater Louis „Shorty“ Levin spricht, der die „President Warfield“ an die Clandestine Immigration Foundation verkaufte

 

MMonica Levin spricht über ihren Vater:

“Nach dem 2. Weltkrieg wurde mein Vater Louis S. Levin, der den Spitznamen „Shorty“ trug, aus der US Marine entlassen und stieg in die Schiffverschrottungsindustrie ein. Es war Anfang 1946. Er und sein älterer Bruder George gründeten eine Firma, die alte Schiffe abwrackte. Sie nannten sie Potomac Shipwrecking Co. Sie lag an den Ufern des Potomac River in Popes Creek, Maryland.

Ohne es zunächst zu wissen, spielte er eine bedeutsame Rolle beim Aufbau der Marine für die jüdische Gemeinschaft in Israel. Er sollte Geschichte schreiben, als er dabei half, die Überlebenden des Holocaust aus Europa nach Israel zu bringen.

Im September 1946 kaufte er die President Warfield für 8.028 $ mit dem Ziel, sie zu verschrotten. Kurz darauf erhielt er einen Telefonanruf der „Chinese American Industrial Corporation“, die nach einem passenden Schiff suchte, das nach einer entsprechenden Umrüstung Passagiere in Asien transportieren sollte. Die Verhandlungen dauerten bis Oktober 1946 und dann wurde der Vertrag unterzeichnet. Beide Seiten waren übereingekommen, den Handel in einem New Yorker Hotel abzuschließen. Zu dem Treffen kamen mehrere asiatische Rechtsanwälte und ein europäischer Gentleman, der die Vorgänge von der Seite beobachtete. Nachdem der Vertrag unterschrieben war, so erzählte mein Vater, kam der europäische Gentleman rasch auf ihn zu, schaute ihm direkt in die Augen und fragte: „Sind Sie Jude?“ Mein überraschter Vater antwortete „Ja“. Der Mann zeigte auf das Gesicht meines Vaters und sagte: „Dann sollten Sie Zionist sein.“ Er verließ rasch die Räumlichkeiten. Mein Vater wusste zu dieser Zeit nicht, dass er gerade von Teddy Kollek, dem zukünftigen Bürgermeister von Jerusalem konfrontiert worden war. Später wurde klar, dass die chinesische Firma nur fingiert war, um das Embargo auf Waffenverkäufe ins britische Mandat zu umgehen. Der Verkauf von Rüstungsgütern an die jüdische Gemeinschaft in Israel war zu jener Zeit gefährlich, und jeder, der dabei erwischt wurde, konnte ins Gefängnis kommen. Das war der Grund für die Scharade der Clandestine Immigration Foundation.

Die President Warfield wurde dann nach Baltimore, Maryland, gebracht, wo sie für die Überfahrt auf offener See vorbereitet wurde. Einige Monate später begriff mein Vater, dass er in eine sehr gefährliche Angelegenheit verwickelt war, aber bis dahin war die Staatsgründung Israels schon erfolgt, sodass solche Handel ohne Strafverfolgung oder Bußgelder durchgeführt werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt verstärkte mein Vater seine Bemühungen, deutsche U-Boote der Nazis aufzukaufen, die eigentlich verschrottet werden sollten, aber komplett mit scharfen Waffen ausgerüstet zu ihm kamen. Tonnen von Waffen, Luft- und Maschinengewehren, Geschützen und Munition wurden von den U-Booten der Nazis abgeladen und nach Israel verschifft, um dort im Unabhängigkeitskrieg gegen die Araber eingesetzt zu werden. Es ist paradox: „Waffen der deutschen Armee, von den Nazis, eingesetzt von Juden in ihrem Krieg gegen Hitlers Alliierte, die Araber.“

 

Der Rest der Geschichte von der President Warfield ist bekannt… Sie wurde in Exodus 1947 umbenannt.“

Lesen Sie mehr über Louis Levin „Shorty“ unter den folgenden Links:

https://goo.gl/beaJqD  ;   https://goo.gl/29ZF3e   ;   https://goo.gl/JyE7uL 

Louis S. Levin “Shorty” starb am 10. Februar 2005 im Alter von 90 Jahren an einer Darmerkrankung im Krankenhaus von Aventura, Florida, USA.

Monica Levin am 7. September 2017 bei der Exodus Conference im Auditorium von Haifa anlässlich des 70. Jahrestages seit der Überfahrt der Exodus 1947.

 

Die President Warfield wurde für 50.000 $ von der Clandestine Immigration Foundation gekauft. Im Dezember 1946 startete die Suche nach einer Mannschaft, die das Schiff nach Europa bringen würde.

Zusätzlich zu Kapitän Ike Aharonovitz bestand die Mannschaft aus 31 Amerikanern, 3 Mexikanern, 1 Staatenlosen und 1 polnischen Mitglied.

Schiffskommandant war Yosi (Hamburger) Harel, dessen Codename „Amnon“ war. Ingesamt waren es 38 Mannschaftsmitglieder.

 

Die „President“ wurde in Frankreich und Italien vorbereitet, 5.000 Immigranten aufzunehmen, 10mal mehr als ihre ursprüngliche Kapazität. Die gesamte luxuriöse Innenausstattung wurde entfernt und durch Stockbetten aus Holz ersetzt, welche die Passagiere nur im Liegen transportieren konnten, eingepfercht wie die Ölsardinen. Bäder, Toiletten und Küchen wurden eingebaut, um die geplante Passagierzahl versorgen zu können. Auch Notfallausrüstung wie Rettungsboote und –inseln wurde an Bord gebracht.

Die President Warfield verließ den St. Louis Pier im Hafen von Sète in Südfrankreich am 11. Juli 1947 um 2 Uhr morgens. Nachdem sich zuerst ein Kabel im Propeller verfangen hatte und das Schiff kurz darauf auf eine Sandbank am Hafeneingang auflief, konnte das Schiff den Hafen schließlich um 6:30 Uhr morgens verlassen. Von der Minute an, an der sie die offene See erreichte, wurde sie von einem britischen Zerstörer begleitet, und am nächsten Tag von 6 Kriegsschiffen, zu denen auch der bekannte Kreuzer Ajax gehörte.

Am dem Morgen, als sie in See stach, informierten die Repräsentanten der Clandestine Immigration Foundation in Frankreich ihr Hauptquartier in Israel, dass das Schiff jetzt den Namen „Exodus 1947“ trug. Die Schiffskommandanten und Passagiere wurden über den Namenswechsel nicht informiert. Am dritten Tag auf See kontaktierten die Kommandanten das Hauptquartier und verlangten, dass man ihnen den hebräischen Namen des Schiffes mitteilte. Die Antwort war, dass der Name „Exodus 1947 - יציאת אירופה תש"ז“ lautete. Beide Namen sollten zusammen am Schiff angebracht werden. Der hebräische Name wurde irrtümlicherweise als „Exodus 1947“ empfangen, anstelle der korrekten Bezeichnung „European Exodus 1947“. Das neue Banner für den Schiffsnamen wurde sofort vorbereitet, aber der Befehl, es auch anzubringen, wurde erst am 17. Juli 1947 gegeben, als das Schiff israelische Gewässer erreichte, 3 Seemeilen von der Küste entfernt. Laute Übertragungen auf den Innen-Lautsprechern und externen Radiogeräten informierten sowohl die Immigranten auf den Schiffen als auch die jüdische Gemeinschaft in Israel über den neuen Namen der „President Warfield“.

Die President Warfield diente der Haganah / Palyam nur 2 Tage lang unter ihrem neuen Namen, bevor sie stillgelegt wurde. Sie wurde zum Schiffsfriedhof im Hafen von Haifa gebracht, zusammen mit anderen Schiffen der Clandestine Immigration. 5 Jahre nach der Deportation ihrer Immigranten nach Deutschland brach im August 1952 ein Feuer auf der Exodus 1947 aus. Alle Bemühungen, das Feuer zu löschen, waren umsonst, und das Schiff sank an Ort und Stelle.

Im August 1952 brach ein Feuer auf der Exodus 1947 aus. Alle Bemühungen, das Feuer zu löschen, waren umsonst und das Schiff sank an Ort und Stelle.